Spinnen
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Goldaugen-Springspinne

Eigentlich bin ich kein ausgesprochener Spinnen-Fan. Ich spüre weder Angst noch Ekel vor den Tieren, bin aber ein Totalausfall, wenn es um die Bestimmung geht, und wenn ich nicht sagen kann, was es ist, interessiert es mich nicht.

Art: Goldaugen-Springspinne (Philaeus chrysops)
Erstsichtung: 21. Juni 2015
Ort: Truppenübungsplatz Jüterbog, Naturpark Nuthe-Nieplitz
Habitat: zwischen den Zweigen einer Besenheide (Calluna vulgaris)

Viele Spinnen, vor allem Springspinnen, sind nicht nur eher unauffällig in der Zeichnung, sondern zudem auch noch hochvariabel. Zwei Individuen, die mit bloßem Auge unterschiedlich/gleich aussehen, gehören dann plötzlich zur selben/verschiedenen Art/en und machen Leuten wie mir das Leben schwer. Deshalb blende ich viele Tierarten aus, die über wenig bis gar keine makroskopisch auffälligen Merkmale verfügen (oder die ich zumindest nicht sehen kann, weil ich, das kommt erschwerend hinzu, Kontraste nicht gut sehen kann). Hinter den Kulissen unseres Tierblogs warten Artikel mit unbestimmten Bläulingen, Dickkopf- und Scheckenfaltern, die für mich alle ein Brei sind, auf ihre Veröffentlichung und den zugehörigen Aufruf zur Mithilfe. Der ornithologisch interessierte Mann freut sich immer, wenn ich ihn mit den Worten „Ist doch nur ein kleiner grauer/brauner Vogel!“ weiterscheuche – vor allem, wenn sich anhand der von ihm hastig geschossenen, wegen meiner Scheuchung nur unscharfen Fotos im Nachhinein herausstellt, dass es sich mitnichten um kleine einfarbige Vögel gehandelt hatte, sondern um Spektakularitäten wie Wendehälse, Weißrückenspechte, Kernbeißer und Haubenmeisen.

Mit Springspinnen verhält es sich nicht anders. Viele sind von bräunlicher Grundfarbe mit undeutlichem und variablem Muster und bieten auch sonst nicht viele Hinweise für eine schnelle Bestimmung. Umso angenehmer überrascht war ich, als ich bei der Inspektion eines kleinen Gespinstes in einer Besenheide nur wenige Zentimeter daneben ein aufgrund seiner Körpergestalt unverkennbar zu den Springspinnen gehörendes Tier mit grellrotem Hinterleib und orangenen Vorderbeinen sah. Ich kenne nur eine Spinne mit rotem Hinterleib, die Röhrenspinne, und die war es eindeutig nicht. Ich versuchte, einige Fotos zu machen, was wegen der Enge des Gestrüpps und den Versuchen des Tieres, meiner Kamera zu entgehen, nur mäßig gut gelang, und befragte abends meine diversen Bestimmungsorakel. Mein Vorgehen in solchen Fällen ist so unprofessionell wie es wirkungsvoll ist: ich googelte „rote Springspinne“ und wurde sofort fündig.

Es war das Männchen einer Goldaugen-Springspinne, die – mein Busen bebt immer noch vor Ehrfurcht beim Aufschreiben – in der Roten Liste als vom Aussterben bedroht geführt wird. Das liegt zuvorderst an ihren sehr spezifischen Habitatsansprüchen: die Goldaugen-Springspinne ist eine wärmeliebende Art, die trockene, offene Gebiete mit geringem Bewuchs mag. Magerrasen gehören dazu, aber auch Geröll- und Sandbrachen, Lebensräume, die sich wegen immer dichterer Bewirtschaftung bei uns nur selten finden lassen. Zudem sind die Temperaturen hierzulande oft nicht ausreichend, allenfalls am sonnenexponierten Kaiserstuhl in Süddeutschland finden sich einige Vorkommen. In Südeuropa dagegen ist die Art häufig und weit verbreitet. Die karge Heide am ehemaligen Truppenübungsplatz Jüterbog war der ideale Lebensraum für dieses Männchen. Nach der Erstsichtung haben wir keine weiteren Exemplare gesehen, obwohl ich seitdem natürlich besonders aufmerksam auf Spinnenvolk achte.

Das hat auch den Vorteil, dass ich merke, dass Spinnen gar nicht so einfarbig braun sind wie ich dachte. Wir haben mittlerweile eine ansehnliche Zahl an Schüssen mit seltenen, spektakulären, schönen oder großen Spinnen, die ich nach und nach alle hier verbloggen werde. Keine von ihnen ist eintönig oder langweilig, jede ist besonders auf ihre Art. Die Goldaugen-Springspinne hat also irgendwie mein Auge für und mein Interesse an Spinnen belebt, worüber sich vor allem diejenigen Leser mit Spinnenphobie besonders freuen werden.

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Goldaugen-Springspinne 52.071486, 13.035289 Felgentreu, Deutschland (Routenplaner)

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